Was ist bei einer Hausdurchsuchung zu tun?

Allgemeine Verhaltenstipps zur Vermeidung weiterer böser Überraschungen


Es klingelt und früh morgens steht die Polizei vor der Wohnungstür und möchte die Wohnung, das Haus oder die Geschäftsräume durchsuchen. Für das Eindringen in die "eigenen vier Wände" ist grundsätzlich ein gerichtlicher Durchsuchungsbeschluss notwendig. Wird ein solcher trotz Nachfrage nicht ausgehändigt, ist davon auszugehen, dass die Polizei bzw. die Staatsanwaltschaft die Durchsuchung aufgrund von "Gefahr in Verzug" durchführen möchte.


Machen Sie von Ihrem Schweigerecht Gebrauch

Als unmittelbar Betroffener einer Durchsuchungsmaßnahme ist man automatisch Beschuldigter eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens. Man sollte deshalb wie bei der Festnahme oder Verhaftung von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen und sich auch nicht auf ein kleines "Pläuschchen" mit der Polizei zur Sache einlassen. Dies bezieht sich auch auf etwaige Passwörter von Smartphones, Tablets oder PC´s.


Kontaktieren Sie einen Rechtsanwalt

Bei einer Hausdurchsuchung gibt es viele Unabwägbarkeiten, weshalb man unbedingt einen Rechtsanwalt kontaktieren sollte. Wir haben eine Notallnummer (0176 436 590 82) für den Fall einer Durchsuchung eingerichtet. Sofern Sie einen Durchsuchungsbeschluss ausgehändigt bekommen haben oder diesen durch Nachfrage erhalten haben, ist es wichtig diesen griffbereit für das Telefonat vorliegen zu haben.

Es kommt mitunter vor, dass die Polizei vor Ort ein "Telefonverbot" ausspricht, um die "Durchsuchungsmaßnahme nicht zu gefährden". Zur Not muss der Beschuldigte unter zur Hilfenahme (unabhängiger) Zeugen nachdrücklich darauf hinweisen, dass der Beschuldigte zu jedem Zeitpunkt einen Anwalt konsultieren darf.

Zwar kann auch ein Anwalt die Durchsuchung in den allermeisten Fällen zunächst nicht stoppen, aber oft Schlimmeres vermeiden. Dies ist allerdings stark vom Einzelfall abhängig. Unter Umständen kann es angezeigt sein, dass die gesuchte Sache "freiwillig" herausgegeben wird, um verwertbare (weitere) Zufallsfunde zu vermeiden. Zufallsfunde können sich über das weite Feld von bspw. dem "kleinen Tütchens Cannabis" bis zu den Steuerunterlagen über vermeintlich geschickte Geldanlagen auf den Cayman Islands erstrecken. Dokumente die nicht von dem Durchsuchungsbeschluss als "durchsuchbar" gekennzeichnet sind, sollten allenfalls versiegelt und ungelesen von der Polizei mitgenommen werden, damit die Strafverfolgungsbehörden nicht doch "auf Umwegen" Kenntnis vom Inhalt nehmen.


Leisten Sie keinen Widerstand gegen die Polizei

Aktiver Widerstand gegen polizeiliche Maßnahmen ist die schlechteste Idee, und zwar grundsätzlich immer. Den Beamten steht das staatliche Gewalt­monopol zur Seite. Aktiver Widerstand ist gem. § 113 StGB strafbar. Ob die Durchsuchung und die Verwertung etwaiger Beweise rechtmäßig sind, kann später durch den Rechtsanwalt nach Beschaffung der Akteneinsicht geklärt werden.


Durchsuchungsprotokoll genau prüfen

Generell sollte man das Durchsuchungsprotokoll nicht unterschreiben. Man sollte lediglich allgemein einen Widerspruch von der Polizei auf dem Protokoll vermerken lassen. Eine Durchschrift erhält der Beschuldigte. Das Durchsuchungsprotokoll muss zudem äußerst genau überprüft werden. Jedes Teil, welches die Polizei mitnimmt, muss sich auf dem Protokoll wiederfinden und zudem so genau wie möglich beschrieben werden.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Rechtstipp hat keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Im Einzelfall kann eine andere Entscheidung angezeigt sein. Der Rechtstipp soll und kann eine anwaltliche Beratung nicht ersetzen. Im Zweifel sollte der Rechtsanwalt des Vertrauens kontaktiert werden. Über die eingerichtete Kontaktfunktion auf dieser Website, die allgemeinen Kontaktinformationen und Notfallnummer für Durchsuchungen, Festnahmen oder Verhaftungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Rechtsanwalt und Strafverteidiger Philipp Tietmann aus Brühl
Rechtsanwalt Philipp Tietmann